Burnout vs. Boreout – Wie du den Raum deines Pferdes verstehst


Wir alle kennen sie, die unsichtbaren Risse in unserer Seele, wenn das Leben zu viel wird: Extreme innere Anspannung, ständige Bereitschaftshaltung, Erschöpfung, Hoffnungslosigkeit – das Gefühl, die Seele rennt dem Körper hinterher. Wir nennen es Burnout. Es ist ein ZU VIEL an Leistung, Erwartung und Druck. Bei Pferden sehe ich das auch. Fast täglich. Manchmal deutlich, manchmal im Verborgenen. Feine Sorgenfalten, leere Augen, Abwesenheit. Aufgegeben? Hast du schon einmal darüber nachgedacht, dass dein Pferd ähnlich fühlen könnte?

Ist dir der Begriff „Boreout“ schon einmal begegnet? Dieses Wort steht für ein ganz anderes, aber ebenso ernstes Ungleichgewicht: Erschöpfung verursacht durch Langeweile, Orientierungslosigkeit, Unterforderung. Die körperlichen und seelischen Symptome sind oft verblüffend ähnlich denen eines Burnouts.
Dein Pferd ist ein Meister des Sozialverhaltens und des Empfangens feiner Energien. Doch ist seine Welt, sein Alltag, ein sicherer Hafen voller sinnvoller Inspiration oder manchmal ein anstrengendes Labyrinth ohne echten Rückzugsort? Ist das Training eine freudige Motivation oder ein monotones Einerlei? Ein ZU WENIG an echter Herausforderung oder ein ZU VIEL an monotonem Gleichmaß – beides kann zutiefst erschöpfen.

In diesem Artikel tauchen wir tief ein in die Seelenwelt unserer Pferde. Wir erkunden, wie du die feinen Signale erkennst, die dir dein Pferd sendet, und wie du einen Raum des Verständnisses schaffst.


Dein Pferd als Echo deiner Welt

Manchmal ist es, als würden uns die Pferde einen Spiegel vorhalten. Das meine ich nur im bildlichen Sinn. Ich vertrete nicht die Theorie, dass Pferde uns spiegeln. Jedoch gehen sie in Resonanz mit unseren Emotionen und den ungesagten Geschichten des Alltags.
Ein Pferd, das im Boreout gefangen ist, mag vielleicht apathisch wirken, aber auch überdreht und „unerzogen“, weil es sich selbst Beschäftigung sucht. Es ist die vergebliche Suche nach Inspiration, nach echtem Sinn in seiner Umgebung. Ein Pferd braucht Raum für authentisches Sein, für Neugier und Entfaltung. Es braucht nicht nur körperliche Auslastung, sondern auch für die Seele.

Wo Anspannung auf Gelassenheit trifft

Nachdem wir erkannt haben, dass sowohl ein ZU VIEL (Burnout) als auch ein ZU WENIG (Boreout) unsere Pferde aus der Balance werfen kann, stellt sich die Frage: Wie finden wir die goldene Mitte? Es ist wie ein Tanz, bei dem wir stets neu ausbalancieren dürfen, was unser Pferd wirklich braucht.

Pferde sind von Natur aus dafür geschaffen, sich zu bewegen, zu fressen und mit Artgenossen zu interagieren. Wenn ihre Haltung nicht diese grundlegendsten Bedürfnisse erfüllt, wird es zu einem schleichenden Boreout kommen. Ein eintöniger Alltag ohne geistige Anreize, ein Herdenverband, der mehr Stress als Sicherheit bietet, oder fehlende Rückzugsmöglichkeiten können die Seele genauso stressen wie ständiger Leistungsdruck.

Deine aktive Rolle als Pferdemensch

Werde Motivationstrainer: Biete Abwechslung! Statt immer nur auf dem Platz zu reiten, integriere Spaziergänge ins Gelände, Bodenarbeit oder Kräutersuchausflüge, Freiarbeitsspiele usw. Fordere den Kopf und die vertreibe Langeweile. Lass auch gern dein Pferd an den Entscheidungen teilhaben.

Werde Haltungs-Detektiv: Schau genau hin! Bietet der Stall ausreichend Futterzeiten, frische Luft und Platz zum Ruhen? Gibt es genug Unterstände und Rückzugsorte in der Herde, damit auch rangniedere Tiere entspannen können? Schon kleine Veränderungen, wie das Anbieten von Raufutter und Knabberästen an verschiedenen Stellen, neue Heunetze, Raumteiler auf dem Paddock oder verschiedene Untergründe können Wunder wirken.

Sei stiller Beobachter: Wie ist die Herdenstruktur, beobachte die Herde. Ist dein Pferd integriert oder ein Außenseiter? Manchmal braucht es nur einen kleinen Impuls, um soziale Spannungen zu mildern.

Kreiere „Fühl-Pausen“: Im Training geht es nicht immer um Leistung. Baue bewusste Pausen ein, in denen dein Pferd einfach mal durchschnaufen, die Umgebung wahrnehmen und mental „abschalten“ darf. Und du ebenso! Genießt einfach das gemeinsame Sein im Moment.

Haltungsoptimierung ist eine fortwährende Reise, kein einmaliges Ziel. Sie lädt uns ein, stets kreativ zu sein und die Welt aus den Augen der Pferde zu sehen.

Achtsamkeit als größter Präventionsschutz

Am Ende des Tages ist es oft nicht das „Was“ wir tun, sondern das „Wie“ – die Qualität unserer Verbindung und unsere eigene innere Haltung – die den größten Unterschied macht. Stell dir vor, du bist für dein Pferd wie ein gemütliches „Seelen-Sofa“: Ein Ort, an dem es sich bedingungslos fallen lassen kann, wo es sich verstanden und sicher fühlt. Wo es gesehen wird, so wie es ist.


Bevor du morgen in den Stall gehst: Halte einen Moment inne. Was nimmst du mit in diesen Raum? Deine Eile, deinen Stress – oder deine sanfte, offene Neugierde? Für dein Pferd.



Dein Pferd ist ein Meister darin, deine innere Stimmung zu lesen. Wenn du gestresst bist, nimmt es das auf. Wenn du ruhig und präsent bist, nimmt es das auf. Du kannst nichts verstecken. Burnout und Boreout, sind im Grunde Kommunikationsversuche deines Pferdes. Es möchte dir etwas sagen, das über Worte hinausgeht. Dein Pferd urteilt nicht, dein Pferd lädt dich ein genauer hinzuschauen und liebevoll zu handeln. Es sind leise und liebevolle Rufe nach mehr Balance, mehr Verständnis und mehr echter Verbindung in einer oft zu schnellen Welt.

Deine Bereitschaft hinzuschauen ist der größte Schritt. Die Veränderung beginnt im Kleinen: Mit einem Moment der Achtsamkeit, in dem du fragst: Was braucht dein Pferd WIRKLICH?

Wenn du spürst, dass dein Pferd dir mehr erzählen möchte, wenn du tief in seine Gefühle und Wünsche eintauchen möchtest, dann lass uns gemeinsam hinhören. Buche gerne ein persönliches Tiergespräch bei mir.

Gern unterstütze ich Euch auch im Training, der Haltungsoptimierung oder bei Verhaltensthemen

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